Rückblick

Dies sind  meine letzten Konzerte mit dem Kammerchor der Universität Kassel. Ich freue mich rückblickend über so viel Resonanz und Interesse aus dem Publikum.

Neben den „normalen“ Konzerten, Teilnahmen an Wettbewerben und Reisen nach Spanien, Italien, Frankreich, Österreich gab es für beiden Uni-Chöre -Cantiamo und Cantiamo piccolo – viele außergewöhnliche Begegnungen und Kooperationen. Dazu zählen unter anderem: 

  • In Zusammenarbeit mit dem Kasseler Dokfest führten wir eine Lifeimprovisation zum Stummfilm „Nosferatu“ auf.
  • Die KINGS SINGERS folgten meiner Einladung zu Meisterkursen mit dem Kammerchor Cantiamo piccolo.
  • Mit dem sensationellen Raschèr Saxophonquartett erklang 2014 im Antikriegskonzert ua. ein Werk für Chor und Saxophonquartett vom zeitgenössischen Komponisten Gija Kantscheli.
  • Ganz frühe Musik von Oswald von Wolkenstein musizierten wir im Konzertsaal der Uni gemeinsam mit Marc Lewon an der Laute, dem Spezialisten für alte Musik.
  • In unseren Transformationskonzerten brachten wir Elektronik mit Chor und Tanz zusammen. Unvergessen der Auftritt im Kasseler Technoclub UNTEN.
  • In speziell moderierten Konzerten erschienen Shakespeare (ua. Enrike Keil) und ein anderes mal Jacob Grimm (Stefan Becker) höchstselbst in Person, um informierend und unterhaltend durchs Programm zu führen.
  • Der öffentliche Raum blieb nicht verschont: Ein Märchen-Chorprogramm mit Lesung von Marcel Ruge (FFH) fand im Thalia Buchladen statt. Und nicht zu vergessen, die adventlichen Flashmobs in der Königsgalerie. Einmal hatte man vergessen die Musik auszumachen. Wir haben trotzdem gesungen.
  • 2 Opern in Kooperation mit dem Staatstheater. „Venus und Adonis“ im Ballsaal des Schlosses mit kleinen Solopassagen aus dem Chor und Carl Orffs „Der Mond“ szenisch mit Kostüm.
  • Beteiligung an Sinfoniekonzerten unter der Leitung von Francesco Angelico ua. im Rahmen der Kasseler Musiktage mit Rossinis „Stabat Mater“ in der Martinskirche..
  • Im Sepukralkundemuseum sangen wir Schützens Begräbnismusik für Posthumus Reuss an dessen dort ausgestelltem Sarg. Ebendort Distlers „Totentanz“ (Uraufführung d. 2.Fass.1934, Kasseler Musiktage.) Ein Sänger, der damals unter Distler mitgesungen hatte war im Publikum.
  • Musik der Schützzeit erklang in der Murhardschen Bibliothek zu den dort ausgestellten Originalnoten.
  • In Kooperation mit dem Bärenreiterverlag führten wir Schütz’s „Geistliche Chormusik“ mit Originalinstrumenten zur Neuedition auf.
  • Logisch: auch Orffs „Carmina burana“ -mit inprogress- war dabei. Leider mussten viele Menschen abgewiesen werden, weil niemand mehr in den Saal passte.
  • Und natürlich darf die Jazzmusik auch nicht fehlen. Ua. führte eine Jazzmesse mit Musikern der HR Bigband zu einer kleinen Tournee von Frankfurt bis Kassel.

Ich hatte ja kein festes Orchester an der Hand, wollte aber den Sängerinnen und Sängern von Cantiamo dennoch die wichtigen großen Werke möglich machen. Das ging daher manchmal nur unkonventionell:

  • So musste ich die „Psalmensinfonie“ von Stravinsky für 7 Bläser runterarrangieren, oder
  • Haydns „Jahreszeiten“ nur aus dem Klavierauszug begleiten lassen, oder
  • auf eine reduzierte Fassung des „Brahmsequiems“ mit weniger Instrumenten zurückgreifen, wo leider die schöne Oboenstelle in die Klarinette gewandert ist, oder
  • Verdis „Requiem“ mit nur 6 Instrumenten – darunter aber eine klanglich eindrucksvolle Marimba!

Es war eine erfüllte Zeit mit vielen tollen künstlerischen Projekten und Begegnungen. Es gäbe noch mehr zu berichten, aber der Platz reicht hier nicht aus und es soll ja auch nicht zu lang werden….

Liebes Publikum, vielen Dank für das große Interesse all die Jahre und alle Unterstützung.

Für Ihre Zukunft wünsche ich Ihnen von hier aus alles Liebe und Gute,

Ihr Andreas Cessak

Bach – Mahler – Buchenberg

Wir sind in die Schlussrunde gestartet und haben uns ambitionierte Ziele gesetzt. Wir freuen uns sehr, dass wir uns mit den neuen Werken erneut spannenden musikalischen und technischen Herausforderungen stellen können.

Unsere nächsten Aktivitäten

Nach zwei begeisternden Konzerten gemeinsam mit dem Vokalensemble Lux Aeterna, Hamburg arbeiten wir am Feinschliff für unser Adventsprogramm.

Den Gegenbesuch von Lux Aeterna bei uns in Kassel erwarten wir dann im Mai 2026.

Unsere kommenden Konzerte im Sommer 2024

The Hearts Reflection

In der ersten Jahreshälfte des Jahres 2024 singen wir im Hospiz Kassel, im Augustinum Kassel und im Kasseler Elisabethkrankenhaus.

Näher Informationen erfolgen bald hier und über unseren Newsletter.

Aktuell erarbeiten wir ein Programm mit vielen spannenden und für uns neuen Werken.

Transformation 3

Am 18. und 19.11 führen wir unser drittes Konzert der Reihe Transformation auf. Wir freuen uns auf ein Konzert mit Chor, Orchester, Tanz und Soundscapes.

Im Zentrum unseres Konzertes steht die Messe von Igor Stravinsky. Er schrieb sie von 1944-1948, am Ende seiner Neoklassizistischen Phase. Angeregt wurde die Komposition durch die Begegnung mit Mozarts Messen, denen er eine „echte“ Messe entgegensetzen wollte. Das Werk zählt zu den wenigen Stücken Stravinskys die er aus eigenem Wunsch ohne Auftrag komponierte und wurde am 2.10.1948 in Mailand unter Ernest Ansermet uraufgeführt.

Der zugrunde liegende Text der römisch katholischen Kirche entsprach zwar nicht seinem orthodoxen Glauben, doch Stravinsky „wollte, dass seine Messe liturgisch verwendet wird, eine völlige Unmöglichkeit für die russische Kirche, da die orthodoxe Tradition Musikinstrumente in ihren Diensten verbietet.“
Über das Credo schreibt er: „Das Credo hat die längste Bewegung. Es gibt viel zu glauben.“

Der Aufbau der im Text immer gleichen 5 Sätze der Missa Ordinarium ist in sich symmetrisch:

die Aussensätze Kyrie und Agnus Dei sind Anrufungen. Nach der Eingangsbitte um Erbarmen folgt am Ende die Bitte um Frieden.
Die beiden inneren Sätze 2 und 4 basieren inhaltlich auf Gesängen der Engel: das Gloria zur der Geburt Christi und das Sanctus (Jesaja 6.3).
Im Zentrum, umrahmt von zwei Schichten – außen der Ruf von der Erde, dahinter die Stimmen des Himmels – steht die persönlich innere Haltung zu den Kernthemen der christlichen Spiritualität. Quasi das Allerinnerste des Menschen.

Die Form von Stravinskys Messe drückt diese Symmetrie ebenfalls aus. Außen stehen die Chor und Orchesterwerke, die Sätze 2 und 4 basieren sehr umfangreich auf Solopassagen, das mittlere Credo ist dagegen ein langes Werk im rezitativischen Stil mit einen überraschenden und sehr intensiven Höhepunkt in der Mitte und einem melismatischen, berückend schönen Amen am Ende.

Dem Gedanken der Symmetrie folgend stellen wir den Aussensätzen eigene Kontrafakturen gegenüber in denen wir musikalische Motive aus den Messsätzen mit improvisierten Passagen und Klängen der elektronischen Musik in eine Klangsprache der Gegenwart transformieren und damit eine Grundlage für eine neue Wahrnehmungsebene bilden – den Tanz als Transformation innerer Prozesse in Bewegung.